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Akteure:
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Sie:
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Mutter zweier pubertierender Kinder, Unternehmerin, Hausfrau ohne Haushaltsperle, Doktorandin
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Er:
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Vater zweier erwachsener Kinder, Unternehmer, Hausmann mit Haushaltsperle
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Unlängst trafen diese beiden zusammen, tauschten Gedanken aus und plauderten ein wenig über deren Alltag. Sie erzählte, dass sie nach dem Studium gerne ihr Englisch verbessert hätte. Spanisch sollte folgen. Aber, die Selbstständigkeit kam dazwischen. Die Kinder brauchen Begleitung bei Hausaufgaben und ein offenes Ohr bei persönlichen Unzulänglichkeiten. Der Haushalt will gepflegt werden. Der Rasen gehört zumindest einmal im Monat gemäht. Der Körper will auch trainiert werden. Ach ja, Zeiten der Regeneration sind ebenso nicht zu vergessen.
Daraufhin meint er: „Wenn du etwas wirklich willst, kannst du es auch erreichen“. Ihr Bauch meldet sich spontan: „So stimmt das aber nicht!!!“ Findest zumindest sie. Unweigerlich verkrampfen sich sämtliche weibliche Hirnareale. Im Rasterfahndungsverfahren scannt sie ihren Terminkalender durch. Richtig gelesen, sie fahndet nach temporären Lücken. Wieso findet sie denn bloß keine? Liegt es am mangelnden Zeitmanagement? Sofern Zeit überhaupt managebar ist. Hoppla, da war doch eine. Na also. Trotzdem, die Stirn bleibt in Falten gelegt. Die Gedanken laufen nahezu Amok, Adrenalin pumpt durch die Adern. Cool bleiben lautet die Devise.
In männlich erhabener Miene fordert er sie nachdrücklich auf, ihn doch zu seinem PC zu begleiten, denn da gibt es auf Youtube ein Video, welches sie unbedingt sehen muss. Sie sieht, ist berührt, bewegt. Ein Vater trainiert und bewältigt mit seinem schwer behinderten Sohn den Iron Man in Hawai. Sein größter Traum wird wahr. Zeitgleich sinniert sie darüber, welche Botschaft er ihr denn vermitteln wollte.
So viel sei Ihnen liebe Leserin, lieber Leser schon verraten, die beiden kommen einfach nicht auf einen „grünen Zweig.“ Sie reden aneinander vorbei. Überrascht Sie das – doch nicht wirklich, oder?
Grundsätzlich, aber doch nicht ganz, kann sie seiner Aussage zustimmen.
1. Die Lebenswelt von Unternehmerinnen unterscheidet sich in den täglichen Anforderungen mit Kindern gravierend von der des Unternehmers. Beispielsweise kann sich der Unternehmer darauf verlassen, dass sich seine Frau um die Kinder und den Haushalt kümmert. Sollte die Ehe nicht aufrecht sein, dann ist es selbstverständlich, dass die Kinder in der Obhut der Mutter sind. Der Mann ist somit zeitlich und geographisch (ein 4-monatiger Auftrag im Ausland ist ohne weiteres möglich) flexibel. Die Unternehmerin jedoch ist trotz Selbstständigkeit Anlaufstelle für sämtlich Fragen der Kinderbetreuung, kümmert sich um die morgendliche Jause, tröstet, wenn das Kind kränkelt usw. Alleinerzieherinnen spulen das ganze Programm, nebst Alleinverantwortung auch noch streng durchgetaktet ab. In beiden Fällen gibt es kaum Zeit für Hobbys oder Minuten zum Verschnaufen. Nun frage ich Sie, liegt es an der mangelnden Prioritätensetzung, wenn der Tag mit durchwegs WESENTLICHEN Dingen ausgefüllt ist?
2. Haben Sie schon mal vom Buch „Der goldigen Passagier“ gehört? Francoise und René Egli – bekannt durch das „LOLA-Prinzip“ haben dieses Büchlein 2003 verfasst. Dieses Büchlein beschreibt keine neue Methode, mit der Sie dieses oder jenes erreichen können. Es spricht den Menschen direkt – ohne den Umweg über den begrenzten, unwissenden und zweifelnden Kopf – an.
Francoise Egli sieht sich als sehr alte Dame in einem Rolls-Royce. Dieser ist ein Symbol für Stabilität, Sicherheit, Komfort, Geborgenheit und Wertschätzung. Mit diesem fährt man kein Rennen. Niemand muss etwas beweisen. In diesem Rolls-Royce sitzt der goldige Passagier auf dem Rücksitz und lässt sich fahren. Jeder Mensch sitzt, symbolisch gesprochen, in einem Rolls-Royce, auch wenn er ein ganz anders Auto fährt.
„Die meisten Menschen lehnen diese Sichtweise ab, weil sie nicht einfach Passagier in einem Luxusauto sein wollen. Viel lieber wollen sie das Steuer selber in die Hand nehmen; sie wollen alles unter Kontrolle beginnen. Und genau hier beginnen die Probleme …. „
So geht es unseren beiden Akteuren wohl auch. Hier prallen nicht nur divergierende Lebenswelten, sondern auch zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander.
Sie jedenfalls, sieht sich mehr und mehr als goldiger Passagier und ist fest davon überzeugt, dass Sie, auch unter geänderten Rahmenbedingungen, nur dann Ihr Englisch perfektionieren wird, wenn der Chauffeur des Lebens die entsprechenden Navigationskoordinaten eingespeichert hat.
Haben auch Sie solche Gespräche schon mitverfolgt oder gar geführt? Dann freue ich mich auf Ihre Erfahrungen.
Ihre
Alexandra Strickner
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PS:
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Eine liebe Freundin von IHR meinte, sie kenne da eine Frau
(alleinerziehend), die mit zwei kleinen Kindern (damals 2 und 5) die
Studienberechtigungsprüfung nachgeholt hat, ein Studium in 10 statt 8
Semestern mit sehr gutem Erfolg absolviert und nebenbei gearbeitet hat.
Sie hat sich von ganz weit unten Schritt für Schritt nach oben
gearbeitet, eigene Grenzen massiv ausgedehnt und ihre Persönlichkeit
konsequent ent-wickelt. Die Kinder sind mittlerweile schon pubertierend
… Ach ja, ihr Lebensfilm ist NOCH nicht auf Youtube zu sehen.
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