Der Fluss und das Leben Drucken E-Mail

Das Rinnen eines Flusses  erinnert an das Leben.
Sein Entspringen aus einer Quelle gleicht der Geburt, sein stürmischer Lauf ins Tal der Jugend mit all´ den Windungen, sowie Erfahrungen kleiner Schritte und bitterer Stunden. Es gehen – wie so oft auch wir Menschen erfahren – Umgebung, äußere Umstände und Zeit mit dem Fluss um – als er sich selbst nicht wehren könnte, als die Lenkung zur Gänze anderen überlassen wird. Gewaltige Ereignisse, Schnee und Regen verdoppeln die Wassermassen, die Ufer werden zu klein, grenzen zuviel ein, der Fluss geht über, sprengt seinen vorgegebenen Kurs. Furchtbare Folgen entstehen.

Diese Grenzen haben die Jugend vieler Menschen eingeengt, viele sind ausgebrochen um das Heil, um Träume und Ziele zu erreichen: um mit zerbeultem Haupt wieder den gewohnten Weg zu finden. Oft ist eine ruhige Ausbuchtung mit Sand bezogen die zum Verweilen einlädt, kaum bleibt Zeit dazu. Hohe  Schmerzwellen genauso wie turbulente Freudewellen scheinen nie enden zu wollen. Stück für Stück sammeln sich die Eindrücke, der Himmel, die Sterne bleiben gleich. Ganz egal wo wir uns aufhalten. Der Fluss erreicht das Tal, ruhig fließt er und scheint unendliches Glück gefunden zu haben. Was Tag für Tag sich ändert ist kaum sichtbar, doch wechselt schlagartig der Druck, scheint diese Ruhe unerträglich. Der Drang auszubrechen, Engstellen, Fälle zu überwinden kommt immer wieder. Eingriffe, Kurskorrekturen und Brücken schneiden den Horizont, die Hoffnung verdunkelt sich, das Weitergehen, das nicht stehen dürfen, bewegt weiter, mit dem festen Glauben doch Frieden und Glück zu finden.

In Verbindung mit vielen oder wenigen anderen Flüssen – denn allein ist es kaum möglich – erreicht der Fluss das Meer. Die Ewigkeit beginnt sein Ende aufzunehmen. Sein Licht, sein Leben schmelzen ins Universum, gehen wieder zur Quelle, ein Zyklus der uns Menschen begleitet samt Vergangenheit und Zukunft. Die Erinnerung bleibt noch lang stehen bis der Kurs sich durch neue Gedanken, Einrichtungen erst unmerklich, dann sichtbar ändert, im Herz immer von allen die Hoffnung tragend.

Verfasst von Angelo MARTIN  Dezember |1998

 

 

 
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