|
In kapitalistischen Wirtschaftssystemen ist das lineare Zeitverständnis seit Newton fest verankert. Wenn die Uhr herrscht, wird die Zeit zum wertvollen Gut. Uhrzeitkulturen betrachten die Zeit als feste, lineare und messbare Realität. Sie nehmen sich auch Benjamin Franklins Rat zu Herzen: „Denkt dran, dass Zeit Geld ist.“
Doch in Ereigniskulturen, in denen Zeit als beträchtlich flexibler und ungewisser wahrgenommen wird, sind Zeit und Geld zwei ganz unterschiedliche Dinge. Oft kommt es zu Dissonanzen, wenn diese beiden Haltungen aufeinander treffen.
Stellen Sie sich mal vor, sie als aufstrebendes Unternehmen, an die lineare Uhrzeit gewöhnt, wollen z.B. in den zentralafrikanischen Staat Burundi exportieren. Sie wissen zwar, dass Jahreszeiten zyklisch wechseln, diese Tatsache beeinflusst Ihre Terminvereinbarungen allerdings nur marginal.
Kulturen in denen die Ereigniszeit vorherrscht, achten aber oft auf die Uhr der Natur. Verabredungen werden in Burundi von den natürlichen Kreisläufen geregelt. Diese werden nicht notwendigerweise für einen bestimmten Zeitpunkt des Tages getroffen. Da mehr als 80 % der Einwohner Bauern sind, könnte Ihnen folgendes zu Ohren kommen:
-
Okay, wir sehen uns morgen früh, wenn die Kühe auf die Weide gehen. (morgens)
-
Wir verabreden uns für die Zeit, wenn die Kühe zum Fluss trinken gehen. (mittags)
oder auch
-
Wir sehen uns, wenn die jungen Kühe hinausgehen. (gegen 15.00)
Können Sie sich mit diesem Zeitverständnis anfreunden und relaxt umgehen?
Nicht nur in Afrika gehen die Uhren anders. In Zeiten der unbeschränkten Möglichkeiten und der Globalisierung wird der kulturell unterschiedliche Zugang zu Zeit immer wichtiger.
Buchtipp:
Levine Robert (2008), Eine Landkarte der Zeit; Wie Kulturen mit Zeit umgehen.
München: Piper Verlag GmbH
Robert Levine, amerikanischer Universitätsprofessor und Sozialpsychologe hat, um herauszufinden, wie Menschen in verschiedenen Kulturen mit der Zeit umgehen, mit ungewöhnlichen Experimenten das Lebenstempo in 31 verschiedenen Ländern berechnet. Das Ergebnis ist eine höchst lebendige Theorie der verschiedenen Zeitformen und eine Antwort auf die Frage, ob ein geruhsames Leben glücklich macht.
Der Spiegel:
„Eine ausführliche und unterhaltsame Kulturgeschichte, die die Zeitmessgeräte ebenso behandelt wie den Umgang mit Pünktlichkeit in aller Welt, die Zeit als Machtinstrument oder die Frage, wo bei aller Hektik in Europa la dolce vita geblieben ist."
|